Die Indefinita sind weder Fisch noch Fleisch, was dann dazu führt, dass sie in vielen Grammatiken anders benannt werden, nämlich Indefinitivpronomen. Wie man es dreht und wendet, keiner der beiden Begriffe ist wirklich brillant. Schauen wir uns mal an, von was wir überhaupt reden.

Jeder kann es machen.
Man geht sonntags in die Kirche.
Irgendwer wird es schon wissen.
Niemand weiß es.
Jemand will dich sprechen.

Was hieran indefinitiv, also unbestimmt sein soll, erschließt sich durchaus nicht jedem. Man zum Beispiel ist nicht unbestimmt, man sind eben alle und alle sind eben alle. Der Begriff Indefinita hat den unbestechlichen Vorteil, dass er das Wort Pronomen nicht enthält, kann sich also sowohl auf Pronomen wie auch schlichte Adjektive beziehen. Allerdings sollte man diese Betrachtungsweise nicht überstrapazieren, denn Namen sind ja sehr oft deswegen so hübsch, weil sie etwas genau definieren, man sollte also nicht hergehen und alle einfach Dingenskirchen nennen, ein Begriff, der zwar immer richtig wäre, aber jeglichen Erkenntniswertes entbehrte. Wie dem auch immer sei, bei jede Frau können wir nicht erkennen, wieso jede eine Pronomen sein soll, denn adjektivisch verwendet, vertritt jeder / jede gar nichts. Die genaue Analyse des Wortes Indefinita, darin steckt ja unbestimmt, würde auch schon zu Problemen führen, denn in diesem Satz, ist gar nichts unbestimmt.

Das ist jemand, mit dem nicht zu spaßen ist.
oder: Franz ist jemand, mit dem nicht zu spaßen ist.

Also unbestimmt, ist da gar nichts. Wie wir das Kind nun aber nennen, ist eigentlich ziemlich egal. Wörter wie jeder, man, niemand, irgendwer, etwas etc. sind Indefinita oder Indefinitivpronomen oder unbestimmte Fürwörter oder was auch immer.

Achtung! Es kommt jetzt eine Einteilung dieser Indefinitivpronomen. Diese Einteilung kann vereinzelt Sinn machen, weil die romanischen Sprachen teilweise Unterscheidungen treffen, die das Deutsche nicht trifft und die folgenden Kriterien es erlauben, die Unterschiede zwischen den Sprachen herauszuarbeiten, ab einem bestimmten Punkt kann das also sinnvoll sein, wobei wir auch diese Behauptung leider einschränken müssen, weil Sie es höchstwahrscheinlich automatisch richtig machen. Sie können dem Autor aber nicht vorwerfen, dass er Sie über die Relevanz bzw. Irrelevanz dessen, was jetzt kommt, nicht in Kenntnis gesetzt hätte. Bei allen wohl angebrachten Zweifeln über die Sinnhaftigkeit der folgenden Ausführungen, muss aber eine Anmerkung erlaubt sein. Wollen wir verstehen, warum es überhaupt soviel Indefinita gibt, denn es gibt massig davon, dann kann das damit zusammen hängen, das sie sich in ihrer Bedeutung unterscheiden und folglich sind diese Bedeutungen und Nuancen zu analysieren.

Wie dem auch immer sei, wenn Ihnen das jetzt zu langatmig wird, dann gibt es am Schluss eine Zusammenfassung. Der Autor kann Ihnen also keinen Ratschlag geben, ob es sinnvoll ist, das nun folgende zu lesen oder nicht. Das ist übrigens ein prinzipielles Problem der Freiheit. Freiheit bedeutet eben auch, dass Sie ab und an selber eine Entscheidung treffen müssen. Im übrigen werden Unterschiede herausgearbeitet, die Sie nicht unbedingt beherrschen müssen und die teilweise hauchdünn sind.

Sie finden im Internet Aussagen dieser Art, die letztlich alle Abwandlungen von Formulierungen aus der Duden Grammatik sind.

"Zu den unbestimmten Fürwörtern zählen z. B. alle, wenige, viele, jemand, einzelne, jeder, jedermann, man, ein, irgendwelche, irgendein, manche, ein paar, einige, etliche, mehrere, sämtliche, irgendetwas, kein, keiner. Allen gemeinsam ist, dass sie eine unbestimmte Menge, Anzahl oder Größe angeben. Bei einigen, wie z. B. bei einer, irgendeiner, irgendwer, niemand, nichts, liegt die gemeinte Anzahl zwar fest, doch sie sind insofern unbestimmt, als der/das Betreffende nicht bestimmt ist. Der Sprecher/Schreiber verwendet die unbestimmten Fürwörter, wenn er eine Person oder Sache nicht genau bezeichnen will oder kann. Die Indefinitpronomen können als Stellvertreter und zum Teil auch als Begleiter eines Nomens eingesetzt werden."

http://www.uni-due.de/schreibwerkstatt/trainer/trainer/seiten/s590.html

Durch das Abschreiben allein, wird eine Aussage aber nicht richtiger und insbesondere verfehlt diese Definition den Kern des Problems, erleichtert es nicht, in die Logik anderer Sprachen einzudringen.

In einem Satz wie

"Jeder Mensch hat, wenn er gesund ist, zwei Beine"

will und kann der Sprecher die Person oder Sache genau bezeichnen, es sind nämlich schlicht alle und obendrein ist jeder hier kein Pronomen, es vertritt gar nichts. Die oben gemachte Aussage ist also der maximale Blödsinn auf minimalstem Raum.

Worum geht es also bei den Indefinita? Wir arbeiten jetzt Unterschiede heraus, die für das Deutsche nur deutlich sind, wenn irgendjemand didaktisch geschickt gewählte Beispiele zusammenbastelt. In anderen Sprachen, zum Beispiel im Italienischen, sind diese Unterschiede jedoch bedeutsam. Die Ausführungen werden mit willkürlich gewählten Indefinita illustriert, es geht lediglich um die generellen Kriterien, unter denen die Indefinita zu betrachten sind. Es erleichtert das Verständnis, wenn man mal kurz darüber nachgedacht hat, wie unterschiedlich die Indefinita benutzt werden.

Indefinita bezeichnen, dass jeder der Ausführende bzw. Adressat der durch das Verb beschriebenen Handlung sein kann.
Jeder kann schreiben lernen, das ist nicht schwierig.
Er kann jeden fragen, alle werden ihm das gleiche antworten.
Du kannst einfach irgendjemanden fragen, wo der Zoo ist, wissen alle.
In manchen Verwendungen, wie zum Beispiel "Er kann jeden Tag kommen", hat das Deutsche teilweise ein Problem, weil er entweder jeden Tag kommen kann (Montag und Dienstag und Mittwoch etc.) oder er kann an einem x-beliebigen Tag kommen (Montag oder Dienstag oder Mittwoch etc.). Bei dieser Verwendung kann zwar auch jeder Ausführender bzw. Adressat der Handlung sein, aber darauf kommt es nicht an. Die Beliebigkeit ist die Kernaussage und nicht dass jeder Adressat bzw. Ausführender sein kann. Kernaussage ist die Beliebigkeit.
2) Indefinita bezeichnen Situationen, wo das Vorhandensein eines Ausführenden bzw. Adressaten zwar vermutet wird, aber unbestimmt ist. Die Handlung selbst wurde aber noch nicht durchgeführt.
Irgendwer wird es schon wissen.
In diesem Fall wird zwar vermutet, dass es irgendjemand weiß, aber es ist nicht bekannt wer. Setzen wir diese zwei Sätze nebeneinander.
Irgendwer weiß es.
Jeder weiß es.
so erkennen wir sehr rasch, dass die einzelnen Indefinita eine sehr unterschiedliche Bedeutung haben. Kernaussage ist jetzt nicht die Beliebigkeit, sondern die Annahme, dass es irgendjemanden gibt, der Adressat oder Ausführender der Handlung sein könnte.
3) Der Uhrheber bzw. Adressat einer tatsächlich durchgeführten Handlung ist unbestimmt
Dann gibt es tatsächlich noch die Funktion, die der Duden und seine Epigonen beschreibt. Bestimmte Indefinita bezeichnen tatsächlich Unbestimmtes.
Irgendjemand hat mir meinen Geldbeutel geklaut.
Hier ist es tatsächlich so, dass der Sprecher den Urheber der Handlung nicht nennen kann, könnte er dies, wäre er der Lösung seines Problemes schon ein Stück näher. Kernaussage ist die Unbestimmtheit.
4) Indefinita werden aber auch benutzt, wenn jeder tatsächlich Adressat bzw. Urheber einer Handlung sein kann.
Jeder weiß nun, was zu tun ist.
Er hat jedem erklärt, was er tun soll.
Hier ist eben gerade nicht die Beliebigkeit, vermutete Existenz oder Unbestimmtheit des Ausführenden der Handlung bzw. Adressat der Handlung der Kern der Aussage, sondern Kern der Aussage ist, dass jeder einzelne Urheber bzw. Adressat der Handlung ist bzw. war.
5) Indefinita können auf die Gattung abstellen, oder auf das einzelne Element
Ist die Gattung gemeint, konstruiert man im Deutschen, wie in den meisten Sprachen, mit "alle", wird auf das einzelne Element einer Gruppe homogener Elemente abgestellt, konstruiert man mit jeder / jede. Der berühmte Roman von Simone de Beauvoir heißt folgerichtig:
Alle Menschen sind sterblich.
nicht
Jeder Mensch ist sterblich.
Wird aber auf das einzelne Element abgestellt, dann wird mit jeder / jede und nicht mit alle konstruiert. Folgerichtig heißt es.
Jedes Mal wenn er kommt, fragt er mich denselben Mist.
nicht
Alle Male wenn er kommt, fragt er mich denselben Mist.
6) Es wird nur abgestellt auf eine Teilmenge
Manche Leute haben einfach zu viel Zeit.
In diesem Fall geht es weder um die Beliebigkeit, noch wird darauf abgestellt, dass jeder Adressat bzw. Ausführender der durch das Verb beschriebenen Handlung sein kann. Es soll auch nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass der Ausführende oder der Adressat der Handlung unbekannt ist. Die Aussage ist, dass manche Elemente einer Gruppe homogener Elemente Ziel oder Ausführende der Handlung sind.

Abschließend sei noch erwähnt, dass diese Unterscheidungen auch im Deutschen relevant sein können, wie folgende Beispiele zeigen.

Ist der Urheber einer tatsächlich durchgeführten Handlung unbekannt, dann kann "wer auch immer" nicht durch "jeder" ersetzt werden.
Wer auch immer es gewesen ist, er war ein Rindvieh.
nicht: Jeder der es gewesen ist, war ein Rindvieh.

Wird aber auf die Tatsache abgestellt, dass jeder Urheber einer noch nicht durchgeführten Handlung sein kann, dann kann "wer auch immer" durch "jeder" ersetzt werden.

Wer auch immer genug Geld hat, kann es kaufen.
Jeder, der genug Geld hat, kann es kaufen.