Der Nominativ ist der sogenannte Wer-Fall, nach ihm fragt man mit "Wer".

Er hat einen Apfel gegessen.
Wer hat einen Apfel gegessen?
Er.

Der Nominativ ist das Subjekt des Satzes, er regiert das Verb, das heißt das Verb ändert sich in Abhängigkeit vom Subjekt des Satzes.

Er hat einen Apfel gegessen.
Wir haben einen Apfel gegessen.

Probleme bereitet nie der Nominativ. Niemand hat ein Problem damit, einen Nominativ zu erkennen. Einen Akkusativ von einem Dativ zu unterscheiden fällt jedoch vielen Leuten schwer. Das Problem wird in den meisten Lehrbüchern kaum behandelt, da die infos24 GmbH aber insgesamt 20 Sprachportale betreibt und wir über Foren mit der Menschheit kommunizieren, gehen wir eher davon aus, dass vielen Leuten nicht klar ist, was ein Dativ und was ein Akkusativ ist. Abgesehen davon gibt es auch zahlreiche Anhaltspunkte dafür, dass diese Unterscheidung oft nicht besonders suggestiv ist und in Abhängigkeit von der Muttersprache, sogar völlig merkwürdig anmuten muss. Allerdings müssen wir hier mal ein bisschen Lehrer Hempel spielen, denn in den folgenden Kapiteln sind wir darauf angewiesen, dass erkannt wird, welches Objekt der Akkusativ und welches der Dativ ist. Anderen wiederum, denen es klar ist, wird die nun folgende Diskussion skurril anmuten, also kurz mal ein paar Indizien dafür, dass es doch nicht so trivial ist, wie manchen Leute glauben.

1) Leute mit Englisch Muttersprache können mit einer Aussage, dass z.B. "ihm" Dativ und "ihn" Akkusativ ist, erstmal gar nichts anfangen, denn sie starten vom Englischen aus und im Englischen ist ihm / ihn schlicht him. Es wird gar nicht unterscheiden.
2) Auch den Spaniern ist nicht geholfen, wenn man Ihnen mitteilt, dass der Dativ der Wem-Fall und der Akkusativ der Wen-Fall ist, denn ist der Akkusativ eine Person, dann unterscheidet sich das Fragepronomen gar nicht, beides sind dann im Spanischen Wem-Fälle (a quién).
3) Weiter ist es auch so, dass es ganze Landstriche in Deutschland gibt, die zwischen Akkusativ und Dativ nicht unterscheiden, bzw. nur sporadisch. "Ick kenn mir hier nich aus", sagt der Berliner. (Allerdings scheint auch der Berliner einer Logik zu folgen, wild durcheinander geht es nicht.)
4) Das Gesamtsystem der Deklination, also nicht nur der Personalpronomen, ist insgesamt für die Kommunikation entbehrlich, und viele Sprachen, darunter eben auch das Italienische, haben es durch ein anderes System ersetzt. Dekliniert werden nur noch Personalpronomen.

Fangen wir mal von vorne an. Wozu braucht man eigentlich die Deklination, also wieso muss man klären, ob ein Objekt in einem Satz Nominativ, Genitiv, Dativ oder Akkusativ ist? Das sehen wir ohne weiteres, wenn wir es nicht klären.

a) Jim hat die Tür mit die Axt der Mann eingeschlagen.
b) Jim hat die Tür mit der Axt des Mannes eingeschlagen.

Wir können uns darauf verständigen, dass die Bedeutung von a) mit viel Mühe enträtselt werden könnte, die Kommunikation aber scheitern würde, wenn mehrere Sätze dieses Typs hintereinander geschaltet werden. Der Satz b) unterscheidet sich vom Satz a) lediglich dadurch, dass wir die Funktion der Objekte im Satz und ihre Beziehungen zueinander klären. Das macht also die berühmte Deklination. Sie klärt die Beziehungen zwischen den Objekten eines Satzes.

Nun ist aber allen klar, dass wir aus didaktischen Gründen ein Extrembeispiel gewählt haben. Sind die Objekte keine Personalpronomen, dann kann man auch Sprachen konstruieren, wie das Spanische, Italienische, Französische, Persische, Englische schlagend beweisen, die ohne Deklination, oder besser mit einem einfacheren System, auskommen.

Bei Personalpronomen allerdings sieht es anders aus. Personalpronomen ersetzen ja, das ist ihre einzige Funktion, ein Nomen.

Carmen gibt Maria ihre Brille.

Der Satz "Carmen gibt Maria ihre Brille" stellt uns kaum vor eine intellektuelle Herausforderung. Maria hat ihre Brille vergessen und Carmen leiht ihr für einen Moment ihre. Es ist der Kontext, der es uns erlaubt, den Satz zu verstehen, wir wissen, dass nur Maria eine Brille tragen kann, aber die Brille kann keine Maria tragen. Wir können den Satz auch umstellen, er bleibt verständlich.

Ihre Brille gibt Carmen Maria.

Wir können auch nicht behaupten, dass in diesem Satz irgendeine Deklination irgendwelche Beziehungen klärt, denn Maria könnte genauso gut Akkusativ oder Nominativ sein, die Brille genauso gut Dativ oder Nominativ.

Nominativ: Maria geht in die Schule.
Akkusativ: Carmen sieht Maria.

Solange wir es also mit Substantiven zu tun haben, brauchen wir so ein kompliziertes System wie im Deutschen, Russischen, Türkischen etc. eigentlich nicht, so komplizierte Fälle wie den eingangs erwähnten Satz hätte man mit einem einfacheren System, wie es zum Beispiel im Italienischen vorliegt, auch auflösen können. Man kann an vielen Beispielen zeigen, dass Sprachen dazu neigen, die Komplexität auf das Maß zu reduzieren, welches für die Kommunikation unabdingbar ist. Das Deutsche zum Beispiel ist ja im Moment dabei, den Genetiv abzuschaffen ("Das Haus meines Vaters" wird ersetzt durch "Das Haus von meinem Vater").

Anders wiederum verhält es dann, wenn die Nomen, also die Substantive, durch Personalpronomen ersetzt werden und folgerichtig wird im Spanischen, Französischen, Italienische und Englischen bei den Personalpronomen noch dekliniert (im Englischen wird zwar zwischen Akkusativ und Dativ nicht mehr unterscheiden, sehr wohl aber noch zwischen Nominativ und Dativ / Akkusativ. Das Englische ist also auch bei den Personalpronomen auf eine Präposition angewiesen, wenn zwei Personalpronomen, ein Akkusativ und ein Dativ aufeinanderstoßen, siehe http://www.englisch-lehrbuch.de.

Ersetzt man nämlich in unserem Satz oben die Brille und Maria durch Personalpronomen, dann erhält man sowas.

Sie gibt sie ihr.

Würden aber auch die Personalpronomen nicht dekliniert, lägen also nur im Nominativ vor, dann hätten wir sowas.

Sie gibt sie sie.

Da wir jetzt nichts "Konkretes" mehr vor Augen haben, können wir uns den Sinn auch nicht mehr erschließen. Zwar könnte auch bei den Personalpronomen auf ein System eingeschwenkt werden, wie wir es unten noch vorstellen (und im Persischen ist es auch tatsächlich realisiert, das Persische kennt auch keine Deklination der Personalpronomen), aber diese Variante ist nun mal nicht realisiert, zumindest nicht im Italienischen.

Das war jetzt die philosophische Herangehensweise an das Thema. In der Schule ist die Herangehensweise weit pragmatischer, hier wird es folgendermaßen erklärt. (Ein Erklärungsmuster, bei dem wir den Eindruck haben, dass es nicht zu einer nachhaltigen Erleuchtung führt und das aus verschiedenen Gründen, wie oben angedeutet, zum Beispiel für Menschen mit Englisch oder Spanisch Muttersprache schlicht sinnlos ist.)

Der Nominativ ist der "Wer-Fall".
Nach dem "Wer-Fall" fragt man mit "wer".
Er hat sein Auto gewaschen.
Wer hat sein Auto gewaschen?
Er
Der Genitiv ist der "Wessen-Fall"
Nach dem "Wessen-Fall" fragt man mit "wessen".
Das ist der Bruder seines Vaters.
Wessen Bruder ist es?
Der Bruder seines Vaters.
Der Dativ ist der "Wem-Fall"
Nach dem "Wem-Fall" fragt man mit "wem".
Ich gebe ihm ein Buch.
Wem gebe ich ein Buch?
Ihm
Der Akkusativ ist der "Wen-Fall"
Nach dem "Wen-Fall" fragt man mit "wen".
Ich sehe ihn.
Wen siehst du?
Ihn

Das Problem mit diesem Erklärungsmuster ist, dass man es so nie braucht und es folglich vergisst und es für die derzeit in der westlichen Hemisphäre dominierenden Sprachen, Englisch, Französisch, Spanisch nutzlos ist, da diese ja nur bei den Personalpronomen deklinieren. Verstehen muss man, dass die Deklination die Beziehungen der Objekte untereinander klärt, man das aber auch anders machen kann und die oben genannten Sprachen und das Italienische es tatsächlich anders machen. Interessanter als wer / wessen / wen - was / wem ist der Vergleich zwischen den Systemen. Es sei aber konzediert, dass das schulische Erklärungsmuster klärt, was Dativ ist und was Akkusativ. Da dieses Erklärungsmuster aber oft nicht hilft, es also viele Leuten gibt, die das zwar in der Schule wie oben beschrieben gemacht haben, aber es vergessen haben, weil sie nicht eingesehen haben, zu was das gut sein soll, hier nochmal ein alternatives Erklärungsmuster. Dieses funktioniert zwar nicht immer und erklärt auch nicht die Fälle, wo allein die Präposition es ist, die einen bestimmten Fall verlangt (Ich mache es für dich <=> Ich mache es für dir) aber es funktioniert ihn 95 Prozent der Fälle und reicht uns erstmal, vor allem weil es so schön einfach ist.

Bei den Verben lassen sich drei Typen unterscheiden.
Verben, die gar kein Objekt nach sich ziehen: Ich schwimme.
Verben, die ein Objekt nach sich ziehen: Ich esse einen Kuchen.
Verben, die zwei Objekte nach sich ziehen: Ich gebe ihm mein Auto.

Es gelten dann folgende Regeln.

a) Hat ein Verb nur ein Objekt, dann ist dieses Objekt ein Akkusativobjekt, egal ob es sich hierbei um ein Lebewesen oder ein Ding handelt.

b) Hat ein Verb zwei Objekte, dann ist das Lebewesen oder die Vereinigung aus Lebewesen das Dativobjekt, das andere das Akkusativobjekt.

Ich gebe ihm einen Tisch.
=> Ihm ist ein Lebewesen, folglich ist "ihm" Dativobjekt.
Wir schenken Maria ein Auto.
=> Maria ist das Lebewesen, folglich ist "Maria" das Dativobjekt.
Wir verkaufen der Firma das Grundstück.
=> Die Firma ist die Vereinigung von Lebewesen, folglich ist "die Firma" das Dativobjekt.

Zu dieser Regel gibt es in skurrilen Fällen Ausnahmen.

Ich verpasse meinem Haus einen neuen Anstrich.

=> Haus ist Dativobjekt, aber kein Lebewesen.

Der Fall lässt sich aber dadurch lösen, dass man versucht, ein Objekt durch ein Lebewesen zu ersetzen, es ist dann klar, dass nur Haus durch ein Lebewesen ersetzt werden kann, nicht aber der neue Anstrich.

Einige, ganz wenige Verben, haben aber als einzige Ergänzung ein Dativobjekt und passen folglich nicht in das obige Schema. Ein Beispiel für Verben dieses Typs ist helfen: Ich helfe ihm. Wem helfe ich? Ihm. Bei diesen Verben würde uns aber auch das schulische Erklärungsmustern nichts nützen, den chiedere / fragen, mentire / lügen, rivolgere la parola / das Wort richten etc., die im Italienischen den Dativ verlangen, verlangen im Deutschen den Akkusativ.

Verben, die nur ein Objekt haben und dieses Eine Objekt ein Dativ ist, die also zu dem oben
vorgeschlagenen alternativen Erklärungsmuster nicht passen, sind wenige, zu nennen wären drohen (ich drohe ihm), kündigen (er kündigt ihm), auflauern (du hast mir aufgelauert), widersprechen (ich widerspreche dir),
schaden (er schadet mir), verzeihen (ich verzeihe ihm), begegnen (ich bin dir begegnet), folgen (er ist
mir gefolgt). Es sind Verben, bei der von der Natur der Sache her das Objekt ein Lebewesen ist, meistens
ein Mensch. Aber wie bereits erwähnt, und wir werden das ihm Kapitel 23 nochmals betrachten, auch in diesen
Fällen wäre das schulische Erklärungsmuster nicht hilfreich, weil diese Verben einen anderen Fall verlangen als im Deutschen.