So, zurück zu unserem Thema.

Vor Possessivpronomen steht im allgemeinen ein bestimmter Artikel.

Beispiel
Io vendo la la casa
Ich verkaufe das mein Haus

Allerdings gibt es zu dieser Regel eine Ausnahme und natürlich auch Ausnahmen, von der Ausnahme. Wir machen das jetzt ganz hübsch in einer Tabelle, dick oben die Ausnahme und drunter dann die Ausnahmen von den Ausnahmen.

Die generelle Regel, dass vor einem Possessivpronomen ein bestimmter Artikel steht gilt NICHT, wenn...

...eine verwandtschaftliche Beziehung besteht:
mio padre => mein Vater
mia madre => meine Mutter
mio zio => mein Onkel
mia nonna => meine Großmutter
mio cugino => mein Cousin
mio fratello => mein Bruder
aber: im Plural steht der bestimmte Artikel
i miei zii => meine Onkel
i miei nonni => meine Großeltern
i miei cugini => meine Cousins
i miei fratelli => meine Brüber
aber: wenn eine nähere Bestimmung vorliegt, steht der bestimmte Artikel
Il mio zio che abita a Roma. => Mein Onkel der in Rom lebt.
La mia nonna che abita a Firenze. => Meine Oma, die in Florenz wohnt.
Il mio cugino che è architetto. => Mein Cousin, der Architekt ist.
Il mio fratello che sta a Parigi adesso. => Mein Bruder, der jetzt in Paris ist.
aber: in der dritten Plural, loro, steht immer der bestimmte Artikel
Il loro zio. => ihr Onkel
La loro madre => ihre Mutter
Le loro sorelle => ihre Schwestern
aber: bei Kosenamen steht der bestimmte Artikel
il mio fratellino => mein Brüderchen
la mia mamma => meine Mutti
il mio papà => mein Papi

Mal eine Bemerkung zur Didaktik. So eine Regelorgie kann sich erstmal kein Mensch merken, was auch absolut nicht notwendig ist. Es reicht vollkommen, sich die Tonbeispiele oben ein paar Mal anzuhören (mal ernsthaft, wenn wir uns die Mühe machen, die Dinger da rein zu packen, dann ist es wohl nicht zuviel verlangt, wenn Sie die jetzt ein paar Mal anhören, oder?) Bei grammatikalischen Regeln ist zu unterscheiden, zwischen Zusammenhängen, die lediglich von den umgebenden Wörtern abhängen, wie in diesem Fall. Solche Zusammenhänge macht man automatisch richtig, wenn man sie zehnmal gehört hat. Das funktioniert so ähnlich wie bei einer Musik-CD, haben sie eine CD zehnmal gehört, wissen Sie, welches Lied auf das nächste folgt, das Gehirn scheint ein Apparat zu sein, der auf das Abspeichern tausender fester Strukturen optimiert ist, für das Abspeichern von Regeln scheint das Gehirn weit weniger optimiert zu sein, damit hat es ein Problem. Bei Zusammenhängen mit geringem Kontextbezug, also Verweis auf die außersprachliche Welt, brauchen sie die Regeln nicht zu kennen, sie machen das nach mehrmaligem Hören automatisch richtig. Anders verhält es sich mit Regeln, mit starkem Bezug zur außersprachlichen Welt, also zum Beispiel den Regeln, die das Zeitensystem, die indirekte Rede oder den Konjunktiv betreffen. Hier muss das System tatsächlich verstanden werden, schon allein aufgrund der Tatsache, dass die Frage falsch oder richtig sehr stark von der außersprachlichen Wirklichkeit abhängt. Wenn also dieses Lehrbuch eine solche epische Breite gewinnt, dass selbst der große epische Dichter Tolstoi im Vergleich hierzu aussieht wie ein Journalist des Oberammergauer Tagblatt, dann haben sie es mit einem solchen Zusammenhang zu tun. Ab einem bestimmten Punkt wird Grammatik wichtig, bestimmte Themen sind ohne Grammatik nicht erlernbar. Doch gemach, gemach, es gilt noch ein Stück Weges, auf hurtig, leichtem Fuß zu wandeln.