Artikel haben, auch wenn sich bei vielen jetzt die Nackenhaare sträuben, im Grunde eine ähnliche Funktion wie ein Adjektiv, bestimmen ein Substantiv näher. Sie unterscheiden sich von Adjektiven dadurch, dass Adjektive einem Substantiv, egal ob in attributiver (das rote Haus) oder als Prädikatsnomen (das Haus ist rot) eine bestimmte Eigenschaft zuweisen, ein rotes Haus ist nun mal eben ein Haus, das rot ist. Der Artikel weist dem Substantiv keine Eigenschaft zu, er bestimmt aber die Stellung eines Substantivs innerhalb einer Gruppe gleicher Substantive, charakterisiert also, ganz wie ein Adjektiv auch, dieses Substantiv näher. Da viele Leute noch nie auf die Idee gekommen sind, das so zu sehen, ein Beispiel.

Beispiele
a) Ein Mensch läuft über die Straße.
b) Der Mensch, der mich gestern überfallen hat, läuft über die Straße.
c) Der Mensch ist Der Krone der Schöpfung, behaupten zumindest die Menschen.

Unstrittig ist, dass die Artikel ein / der den Menschen keine spezifische Eigenschaft zuschreiben, genau so klar ist aber, dass das Verhältnis dieses einen Elementes der Gruppe Mensch zu den anderen Elementen der Gruppe Mensch unterschiedlich beschrieben wird. Bei a) ist es ein beliebiges Element dieser Gruppe, bei b) ein ganz spezifisches Element dieser Gruppe und bei c) schließlich steht dieses eine Element stellvertretend für alle anderen. Wer will, kann durchaus finden, dass der Artikel wesentlich komplexere Beschreibungen vornimmt und weitere Gedankenräume umfasst, als ein schnödes Adjektiv. Dass sehr viel komplexere Zusammenhänge als beim Adjektiv beschrieben werden, sehen wir sofort, wenn wir vergleichen. Ist eine Hose schwarz und jemand behauptet sie ist grün, dann ist die Aussage eben falsch, wir haben keine besondere Mühe, uns klar zu machen, was an der Aussage "Die Hose ist schwarz" falsch ist, wenn sie nun mal grün ist. Schwarz ist eben nun mal nicht grün. Punkt. Aber was ist an diesen Aussagen eigentlich falsch?

Beispiele
aa) Der Mensch läuft über die Straße.
bb) Der Mensch, Der mich gestern überfallen hat, läuft über die Straße.
cc) Ein Mensch ist die Krone der Schöpfung, behaupten zumindest die Menschen.

Vergleicht man a) mit aa), b) mit bb) und c) mit cc) dann stellen wir fest, dass alle Sätzen richtig sein können, allerdings muss sich der Kontext jeweils völlig geändert haben. Bei dem Satz "Der Mensch ist die Krone der Schöpfung" wird auf die Gattung abgestellt, bei "Ein Mensch ist die Krone der Schöpfung" ist irgendein Mensch die Krone der Schöpfung. Der Artikel evoziert also eine ganzen Kontext, wodurch Sie zwei Dinge lernen können, die Sie gar nicht lernen wollen. Erstens, dass das menschliche Gehirn in der Lage ist, gewaltige Ideenräume parallel zur Sprache mitzudenken, das Gehirn also weitgehend völlig sprachfrei (wir erwähnen das hier mal, weil wir Lust dazu haben. Viele Leute meinen ja, dass die Sprache wesentlich am Denken beteiligt ist, das müsste man erst mal beweisen, der gesunde Menschenverstand kommt eher zum gegenteiligen Ergebnis. Es gibt ja ganze philosophische System, die die Bedeutung der Sprache systematisch überschätzen.) funktioniert und zweitens der Artikel gar nicht so trivial ist. Nach diesem Ausflug in die Welt der Geister zurück zum Alltag. Wir unterscheiden bestimmte und unbestimmte Artikel.