Von dem harmlosen e gibt es x Varianten, dessen ist man sich in der Regel nicht bewußt und was das Italienische angeht, ist es auch weitgehend egal, ob man sich dessen bewußt ist oder nicht, denn im Italienischen existieren nur zwei Varianten davon. Ein offenes wie in Deutsch essen und ein geschlossenes wie in Deutsch Esel. Sie können sich nun auf den Standpunkt stellen, dass die Töne so ähnlich sind, dass eine Diskriminierung ziemlich viel mit Haarspalterei zu tun hat. Man kann aber auch mal Hirngymnastik für Fortgeschrittene betreiben und die Töne mal verkehrt rum einsetzen, also das offene e in den Esel und das geschlossene in essen einsetzen, dann merkt man ziemlich schnell, dass wir es mit zwei unterschiedlichen Tönen zu tun haben.

Beispiele
Esel Esel
essen essen

Die Demonstration am lebenden Objekt zeigte also eindeutig, dass diese zwei es unterschiedlich sind. Hinsichtlich des Erlernens der italienischen Sprache ist das aber ziemlich egal, weil das Italienische zwar ebenfalls unterscheidet, Sie diese Laute aber automatisch richtig aussprechen werden, denn es gibt sie auch im Deutschen. Gefährlich wird es immer nur dann, wenn der Laut nicht existiert, dann wird in der Regel, der ähnlichste genommen. (Manchmal wir aber auch ein Laut gewählt, der lediglich an derselben Stelle produziert wird, wie der Autor schon hat beobachten können, aber das ist absolut nicht unser Thema, obwohl es ein partytaugliches Thema wäre. L und r zum Beispiel klingen total unterschiedlich, die einzige Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie an der gleichen Stelle produziert werden. Das heißt, dass Menschen, die diese Töne vertauschen, durchaus wissen, WO sie produziert werden. Sie ahmen also nicht den Laut nach, sondern die Stellung, wo dieser produziert wird). Wie immer dem auch sei, es gibt zwei es und Feierabend.

Beispiele
esercizio= Übung
ferro = Eisen

Bei diesen zwei Kandidaten wird die eingangs behauptete These, dass die phonetische Umschrift im Hinblick auf das Erlernen der italienischen Sprache unter der Kategorie "schöner Wohnen" anzusiedeln ist, etwas relativiert. Wie das e auszusprechen ist, ist aus dem Schriftbild erstmal nicht zu entnehmen. Hier ist die phonetische Umschrift, die jedes ernstzunehmende Wörterbuch mitliefert, hilfreich, immer unter der Voraussetzung, dass man die Hieroglyphen entziffern kann.

Beim e verhält es sich ähnlich wie beim o (wie wir noch sehen werden), es gibt es in einer offenen und einer geschlossenen Variante und aus dem Schriftbild ist erstmal nicht zu entnehmen, wie es auszusprechen ist. Machen wir uns aber erstmal klar, was ein geschlossenes e und ein offenes e ist. Phonetisch werden die beiden Laute erstmal so dargestellt und sind auch im Deutschen vorhanden.

Beispiele
geschlossenes e: Mundstellung wie bei iPelikan
offenes e: entspricht im Grunde dem deutschen äEnde

Wie immer sieht man den Unterschied deutlicher, wenn man die Buchstaben vertauscht, das heißt den einen unteutonisch und unitalienisch mit dem anderen vertauscht.

Bei einem Wort wie Ende dürften viele Leute auf Anhieb nicht in der Lage sein zu sagen, ob es sich um ein ein geschlossenes oder um ein offenes e handelt. Vertauscht man die Werte jedoch, wird schnell klar, dass Ende ein offenes e ist, es ist, zumindest fast, der gleiche Laut wie in ähnlich. Es heißt

Ende

und nicht

Ende

Ob es sich bei dem e in "ähnlich" und dem e in "Ende" tatsächlich um den gleichen Ton handelt, müssen wir hier nicht diskutieren, auf jeden Fall ist die phonetische Umschrift für beide Töne gleich. Das italienische offene e ist dichter an dem e von Ende.

Die Unterscheidung zwischen offenem e bzw. offenem o hat auch eine gewissen Bedeutung für die Setzung des Akzents. Normalerweise, wir kommen darauf noch zurück, hat das Italienische, in krassem Gegensatz zum Spanischen, keinen Akzent auf der betonten Silbe. Um es genauer zu formulieren, im Spanischen wird ein von der Norm abweichender Tondruck durch einen Akzent gekennzeichnet, im Italienischen nicht, mit einer Ausnahme: Ist der Tondruck auf der letzten Silbe, auf das Wort Tondruck gehen wir unten näher ein, dann steht ein Akzent. Der spannende Teil kommt jetzt. Normalerweise ist dieser Akzent das, was im Französischen ein accent grave ist (von links oben nach rechts unten, also das `), diese Regel gilt aber dann nicht mehr, wenn eben diese letzte betonte Silbe ein geschlossenes e (perché / warum) bzw. ein geschlossenes o ist.

Zu guter letzt ist noch anzumerken, dass im Norden Italiens, ein offenes e anzutreffen ist, wo im Standarditalienisch ein geschlossenes hingehört und umgekehrt. Und da wir schon einmal dabei sind, bleibt noch anzumerken, dass Dialekte im Italienischen eine größere Rolle spielen, als in anderen Sprachen, Italiener weit weniger bereit sind, einen bestimmten Akzent als Norm anzuerkennen, als Deutsche oder Franzosen, wenn auch durch die modernen Kommunikationsmedien sich zunehmend die "Hochsprache" durchsetzt. Wir werden uns, wie bei den anderen Portalen auch, darum bemühen, Tonbeispiele einzusammeln, die ein vollständiges Lautbild des Italienischen zeichnen, in den verschiedenen Regionen. Was das Italienische betrifft, sind wir aber noch nicht so weit.

Von daher schreibt man perché (Tondruck auf der letzten Silbe, geschlossenes e) aber caffè (Tondruck auch auf der letzten Silbe, aber offenes e). Der Nährwert dieser Erkenntnis ist allerdings sehr eingeschränkt, weil man die Wörter, die mit einem geschlossenen e enden an einer Hand abzählen kann: perché, affinché, né, sé. Ganz düster sieht es bei dem geschlossenen o aus, es wird zwar ab und an im Zusammenhang mit dieser Regel genannt, es scheint aber gar kein Wort zu geben, das den Tondruck auf der letzten Silbe hat und mit einem geschlossenen o endet. Es ist aber vernünftig, in einer Regel auch Fälle einzuschließen, die sich in der Zukunft ergeben könnten, vielleicht wird ja mal ein Wort erfunden, das zu der Regel passt. Es soll ja auch Softwareschmieden geben, die ähnlich verfahren: Jetzt haben wir die Lösung, wir brauchen jetzt nur noch das dafür passende Problem. Wie dem auch immer sei, bis auf ganz wenige Ausnahmen trägt die letzte Silbe, wenn auf ihr der Tondruck liegt, einen accent grave, accento grave (comprò = er kaufte).

Tatsächlich ist davon auszugehen, dass das offene e und das geschlossene e nicht korrekt ausgesprochen wird, wenn man nicht darauf achtet. Es geht hier nicht darum, "lautrein" Italienisch zu sprechen, das dürfte so auf Anhieb kaum gelingen, sondern lediglich darum, für die Phänomene sensibilisiert zu werden. Achten sie bei den folgenden Beispielen auf die Aussprache des e, Sie werden wahrscheinlich konzedieren müssen, dass Sie doch öfter mal ein geschlossenes e gesprochen hätten, wo ein offenes e zu verwenden gewesen wäre. Intuitiv würde der Autor annehmen, dass die Gefahr umgekehrt nicht besteht, also dass jemand ein offenes e verwendet, wo ein geschlossenes e gesprochen werden müsste.