1 Erläuterung

Wie bereits erwähnt, wird das italienische r an derselben Stelle gebildet, wie das d, oder genauer gesagt, die Zungenspitze befindet sich am selben Punkt, an den oberen Schneidezähnen. Beim d allerdings wird die Zunge an die oberen Schneidezähne gedrückt und verschließt den Mundraum, es kann keine Luft entweichen, die Luft wird hinter der Zunge gestaut und dann explosionsartig herausgelassen.

(wow !! Haben Sie eigentlich schon gemerkt, dass der Autor dieses Textes ein direkter Nachfahre des großen deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe ist?

Viele leben's wenigen nur ist' s bekannt

und wo du' s packst, da ist's interessant

Sie machen das jeden Tag ein paar hundert wenn nicht tausendmal, aber bislang wußten Sie wahrscheinlich noch gar nichts von diesen Explosionen.)

Wenn aber beim d die Zungenspitze schon mal richtig steht, dann ist es einfacher, das r aus dieser Position heraus zu produzieren, da die Zunge sich ja dann schon an der richtigen Position befindet. Einfacher ist es also, wenn ein 'd' oder ein 't' vor dem 'r' steht, schwieriger, wenn die Zunge völlig unmotiviert irgendwo im Mund rumsteht oder liegt. Folglich versuchen wir jetzt mal alle, das hier auszusprechen.

Übung

nicht so:

                 trinken, trinken, trinken

sondern so:

                 trrrrinken, trrrinken, trrrinken

                 Drrrache, Drrrache, Drrrache

Am Anfang, also beim 'd' bzw. 't' ist ihre Zunge hart, sie haben sie fest gegen die oberen Schneidezähne gedrückt und stauen die Luft dahinter (das müssen Sie natürlich nicht üben, das machen Sie ja sowieso). Sie müssen jetzt versuchen, die Zunge allmählich lockerer werden zu lassen, genau genommen so locker, dass sie einerseits nicht einfach so rumhängt und andererseits auch nicht so hart, dass sie nicht flattern kann. Flattern kann etwas ja nur, wenn es noch soviel Spannung hat, dass die Tendenz besteht, in eine Grundposition zurückzufahren. Zum Flattern muss es immer zwei Kräfte geben, eine, die gegen die Grundposition wirkt und eine, die in die Grundposition wirkt (ne, ne, ne, Physik war nicht mein Lieblingsfach in der Schule).

2 Erläuterung

Wenn das nicht hilft, greifen wir zu Plan b. Bei Plan b berühren wir mit der Zungenspitze die oberen Schneidezähne und öffnen den Mund. Weiter tun wir erstmal gar nix. Wir legen nur die Zungenspitze an die oberen Schneidezähne und öffnen den Mund und konzentrieren uns darauf, nur soviel Spannung auf der Zunge zu haben, dass sie nicht runterfällt. Wenn wir diese Position haben, fangen wir an, auszuatmen. Am Anfang wird die Zunge vielleicht noch nicht vibrieren, sie wird einfach nach unten gehen und wieder an die Zähne stoßen, wenn wir aufhören auszuatmen. So hatten wir uns das zwar erstmal nicht vorgestellt, aber das ist die Richtung. Jetzt ist das eben wie mit kuppeln und Gas geben. Je schneller die Kupplung rausgenommen wird, desto mehr Gas und umgekehrt. Sie müssen jetzt ein bisschen spielen, sie müssen eine Variante finden, bei der der Druck auf der Zunge zwar groß genug ist, dass sie immer wieder nach oben geht, auf der anderen Seite darf er aber auch nicht so groß sein, dass sie Luft hinter der Zunge stauen können. Die Zunge muss eben flattern und flattern ist nun mal ein Zustand, der aus zwei Kräften entsteht, einer die aus dem Ausgangszustand hinausführt und einer anderen, die in diesen Ausgangszustand führt. Die Töne die dabei entstehen sind nicht wirklich sympathisch, erinnern so manchen an den Drachen in Jim Knopf und die wilde Dreizehn, aber dazwischen taucht dann immer wieder das italienische 'r' auf und sie müssen solange üben, bis sie es erreichen.

Übung

(Zungendruck zu schwach, Zunge wird lediglich nach unten gedrückt)

(Zungendruck zu stark, Luft gestaut)

(Kombination aus Zungendruck und Luftdruck richtig, Zungen flattert)

Flattert die Zunge erstmal, kommt wieder Plan a.

Übung

trrrrinken, trrrinken, trrrinken

Drrrache, Drrrache, Drrrache

3 Erläuterung

Wenn das mit dem Drrrrachen zuverlässig klappt, kann man weitermachen. Wie bereits erwähnt, ist der Drrrrache und trrrrrrrrrinken deswegen so einfach, weil die Zunge schon richtig steht. Üben wir das also erstmal an echten italienischen Wörtern.

Beispiele
treno = Zug
tre = drei
trenta = dreißig
strano = fremd
dottrina = Doktrin

Wenn das sicher gelingt, können wir mit Wörtern fortfahren, wo das 'r' aus einer ungünstigeren Position heraus produziert werden muss.

Beispiele
prezzo = Preis
proposta = Vorschlag
monarca = Monarch
grande = groß
fare = machen
essere = sein

Wer Spanisch kann, wird sich die Frage stellen, ob der Unterschied zwischen 'r' und 'rr' im Italienischen der gleiche ist, wie im Spanischen und tatsächlich ist es gleich. Beim einfachen r flattert also die Zunge einmal und beim doppelten bis zu fünfmal (auf jeden Fall mehr als einmal).

Beispiel
carro = Karre
caro = teuer