Wie schon mehrfach erwähnt, ist Nichtwissen manchmal ein echter Vorteil. Wenn Sie Spanisch sprechen, was bei Leuten, die Italienisch lernen zu befürchten ist, dann müssen Sie jetzt ein bisschen auf Zack sein, denn es gibt Unterschiede.

1) Eine Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit wird im Spanischen mit dem condicional I gebildet im Italienischen mit dem condizionale II.

El dijo que ella vendría.

Lui disse che lei sarebbe venuta.

Er sagte, dass sie kommen würde.

2) Damit aber noch nicht genug. Verlangt das Verb der mentalen Durchdringung den subjuntivo / congiuntivo, dann wird im Spanischen zwischen Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit nicht unterschieden.

El creía / creyó que ella viniera.

Er glaubte, dass sie käme.

Das Italienische jedoch hat hier eine Lösung, die einen tatsächlich vom Stuhl haut. Bei Gleichzeitigkeit steht auch im Italienischen der congiuntivo imperfetto.

Lui credeva / credette che lei venisse.

Er glaubte, dass sie käme.

Der Hammer kommt jetzt. Steht das Verb der mentalen Durchdringung in einer Vergangenhgeitszeit und ist ein Vorgang zu schildern, der sich nachzeitig zum Moment der mentalen Durchdringung ereignet hat, dann wird das condizionale II verwendet.

Lui credeva / credette che lei sarebbe venuta.

Er glaubte, dass sie kommen würde.

In diesem Fall haben wir also eine Änderung des Modus. Es wird nicht mehr der congiuntivo verwendet sondern der condizionale.

3) Wir haben bereits darüber gesprochen, dass im Französischen das passé composé nur dann eine Vergangenheitszeit ist, wenn das passé simple nicht (mehr) benutzt wird, ansonsten ist es eine Gegenwartszeit. Das ist im Italienischen NICHT so. Das passato prossimo ist immer eine Vergangenheitszeit, unabhängig davon, ob das passato remoto genutzt wird oder nicht. Es gelten also die Regeln, die im Folgenden für die Vergangenheitszeiten vorgestellt werden.

congiuntivo presente wird zu congiuntivo imperfetto
congiuntivo imperfetto bleibt congiuntivo imperfetto
congiuntivo passato prossimo wird zu congiuntivo trapassato prossimo

Die Beispiele folgen wieder demselben Schema. Wir haben Maria, die eine Aussage macht und diese Aussage wird von Andrea mit Hilfe eines Verbes der mentalen Durchdringung, das den congiuntivo verlangt, wiedergegeben. Dieses Verb steht einmal in einer Gegenwartszeit und einmal in einer Vergangenheitszeit. Transformiert man den Satz, muss jeweils nach dem oben genannten Schema aus den oben genannten Gründen modifiziert werden.

Andrea I: Andrea berichtet in einer Gegenwartszeit.

Andrea II: Andrea berichtet in einer Vergangenheitszeit.

Vorzeitig zur mentalen Durchdringung
Maria: Lui non è venuto.
Andrea I: Maria crede che lui non sia venuto.
Andrea I: Maria glaubt, dass er nicht gekommen sei.
Andrea II: Maria credeva che lui non fosse venuto.
Andrea II: Maria glaubte, dass er nicht gekommen wäre.
Gleichzeitig zur mentalen Durchdringung
Maria: Credo che lui non venga.
Andrea I: Maria crede che lui non venga.
Andrea I: Maria glaubt, dass er nicht kommt.
Andrea II: Maria credeva che lui non venisse.
Andrea II: Maria glaubte, dass er nicht käme.
Nachzeitig zur mentalen Durchdringung
Maria: Credo che lui non verrà.
Andrea I: Maria crede che lui non verrà.
Andrea I: Maria glaubt, dass er nicht kommen wird.
Andrea II: Maria credeva che lui non sarebbe venuto.
Andrea II: Maria glaubte, dass er nicht kommen würde.

Wenn Sie also über Spanisch und Französisch mal intensiv nachgedacht haben, dann haben Sie festgestellt, dass im Spanischen und Französischen zwischen Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit bei Verben, die den subjonctif / subjuntivo verlangen nicht unterschieden werden kann. Im Italienischen kann unterschieden werden, allerdings kommt es bei Nachzeitigkeit zu einem Wechsel des Modus.

Gegenwart und Gleichzeitig / Nachzeitig
Maria crede che lui non venga / verrà.
Vergangenheit Gleichzeitig / Nachzeitig
Maria credeva che lui non venisse / sarebbe venuto.

Sowohl bei der indirekten Rede, wie auch bei den Verben der mentalen Durchdringung (egal ob diese den indicativo oder den congiuntivo verlangen) geht es aber um die chronologisch korrekte Verankerung der Ereignisse in Bezug auf den Moment der mentalen Durchdringung. Sieht man ein, dass dieser auf der Zeitachse nach hinten verschoben wird, wenn das einleitende Verb, das die Art der mentalen Durchdringung beschreibt in einer Vergangenheitszeit steht, dann sieht man auch ein, dass die Ereignisse, die imaginiert, befürchtet, erhofft, erzählt etc. neu auf der Zeitachse zu justieren sind. Sie verhalten sich relativ zum Moment der mentalen Durchdringung, müssen um eine Stufe zurück in die Vergangenheit versetzt werden, wenn der Moment der mentalen Durchdringung in die Vergangenheit versetzt wird. Wenn Sie also in allen anderen Grammatiken eine Regelorgie finden, dann ist diese Regelorgie letztlich nicht zielführend. Sie brauchen sich nur einmal klar zu machen, dass zu schildern ist, ob die Ereignisse in Bezug auf den Anker, den Moment der mentalen Durchdringung, vorzeitig, gleichzeitig oder nachzeitig sind.