Zwar ist auch dann, wenn das Verb der mentalen Durchdringung in einer Gegenwartszeit steht die Chronologie der Ereignisse korrekt wiederzugeben, aus den oben genannten Gründen fallen aber dann der Zeitpunkt des Berichts und der Zeitpunkt der mentalen Durchdringung zusammen, so dass keine Anpassung der Zeiten nötig ist. Anders ausgedrückt: Der Anker für die Chronologie der Ereignisse ist immer der Zeitpunkt der mentalen Durchdringung. Wenn aber das Verb der mentalen Durchdringung in einer Gegenwartszeit steht, dann gibt es keine zeitliche Differenz zwischen dem Bericht über die mentale Durchdringung und der mentalen Durchdringung selbst. Einige Beispiele mögen genügen. Wir erläutern das hier beispielhaft anhand der indirekten Rede. Aus den oben genannten Gründen funktioniert es aber nach dem gleichen Schema für jedes Verb der mentalen Durchdringung. Sie tun gut daran, die stringente Logik der romanischen Sprachen zu verstehen und sich nicht an den deutschen Sätzen zu orientieren.

Der Vorgang findet in der Gegenwart statt und wird in der Gegenwart erzählt und mental durchdrungen.
Lui dice: "Compro il pane."
Lui dice che compra il pane.
Er sagt: "Ich kaufe Brot."
Er sagt, dass er Brot kaufe.
Der Vorgang hat in der Vergangenheit stattgefunden und wird in der Gegenwart erzählt und mental
durchdrungen.
Lui dice:"Ho comprato il pane."
Lui dice che ha comprato il pane.
Er sagt:"Ich habe Brot gekauft."
Er sagt, dass er Brot gekauft habe.
Der Vorgang wird in der Zukunft stattfinden und wird in der Gegenwart erzählt und mental durchdrungen.
Lui dice: "Comprerò il pane."
Lui dice che comprerà il pane.
Er sagt:"Ich kaufe Brot."
Er sagt, dass er Brot kaufen werde.

Wie deutlich zu sehen, ist in diesem Falle eine Änderung der Zeiten nicht nötig, geändert werden müssen nur Person / Numerus des Verbes und eventuell vorhandene Adverbien und Pronomen.

Die Gegenwartszeiten sind presente, condizionale I und futuro.

Machen Sie sich klar, dass ein anderer (zum Beispiel Enrique) berichtet, was Mario denkt. Das ist die Crux der ganzen Angelegenheit. Der zeitliche Anker ist nicht der Zeitraum des Berichtenden, sondern der Zeitraum, in dem etwas mental durchdrungen wird. Nur wenn diese beiden Zeiträume zusammenfallen, der Moment des Berichts und der Moment der geistigen Durchdringung, ist keine Änderung der Zeiten nötig. Beginnt das Verb aber in einer Vergangenheitszeit, fallen diese Zeiträume eben nicht mehr zusammen und die Ereignisse müssen auf der Zeitachse neu justiert werden. Hier also nochmal ein Beispiel, bei dem das Verb der mentalen Durchdringung in einer Gegenwartszeit steht.

Der Vorgang findet in der Gegenwart statt und wird in der Gegenwart erzählt und mental durchdrungen.
Mario: So che Andrea non viene.
Lui (Mario) sa che Andrea non viene.
Mario: Ich weiß, dass Andrea nicht kommt.
Er weiß, dass Andrea nicht kommt.
Der Vorgang hat in der Vergangenheit stattgefunden und wird in der Gegenwart erzählt und mental
durchdrungen.
Mario: So che Andrea non è venuto.*
Lui (Mario) sa che Andrea non è venuto.
Mario: Ich weiß, dass Andrea nicht gekommen ist.
Er weiß, dass Andrea nicht gekommen ist.
Der Vorgang wird in der Zukunft stattfinden und wird in der Gegenwart erzählt und mental durchdrungen.
Mario: So che Andrea non verrà.
Lui (Mario) sa che Andrea non verrà.
Mario: Ich weiß, dass Andrea nicht kommen wird.
Er weiß, dass Andrea nicht kommen wird.

* Andrea ist im Italienischen ausschließlich ein Männername. Da wir jetzt mal davon ausgehen, dass Andrea ein Italiener ist, ist er also männlich, es heißt also venuto und nicht venuta.

Nochmal zur Verdeutlichung: Hat Mario in der Vergangenheit gewusst, dass Andrea nicht kommt, dann beginnt auch das Verb der mentalen Durchdringung in der Vergangenheit. Bericht und mentale Durchdringung fallen auseinander, die Zeiten müssen angepasst werden.

Mario dachte in Vergangenheit.
Mario: So che Andrea non verrà.
Enrique erzählt, was Mario in der Vergangenheit gedacht hat.
Lui sapeva che Andrea non sarebbe venuto.

Die Zeitenfolge ist anzupassen. Der Bezugspunkt ist der Moment der mentalen Durchdringung, von diesem Bezugspunkt aus ist es ein Ereignis, dass von der Vergangenheit aus gesehen in der Zukunft liegt, aus dem futuro I wird ein condizionale II.