Bei der Zeitenfolge ist zu unterscheiden zwischen einer Situation, bei der das einleitende Verb in einer Gegenwartszeit steht und einer Situation, bei der das einleitende Verb in einer Vergangenheitszeit steht. Sie finden in allen Grammatiken ein recht pragmatisches Erklärungsmuster. Diese lautet so: Gegenwartszeiten sind presente, futuro und condizionale und die Vergangenheitszeiten sind passato prossimo, passato remoto, imperfetto, trapassato prossimo. Steht das einleitende Verb in einer Gegenwartszeit dann gelten ausschließlich die Regeln, die im Kapitel Zeiten beschrieben sind, das heißt, in diesem Fall ist es egal, ob der Satz mit einem Verb der mentalen Durchdringung eingeleitet wird oder nicht.

a) Lui dice / sa: "La macchina non è ancora stata riparata."
Er sagt / weiß: "Das Auto ist noch nicht repariert."
b) Lui dice / sa che la macchina non è ancora stata riparata.
Er sagt / weiß, dass das Auto noch nicht repariert worden ist.

Wir sehen also, dass der Nebensatz, b), in derselben Zeit steht, wie der Aussagesatz a). Beginnt der Satz jetzt aber in einer Vergangenheitszeit, dann ändert sich das Bild.

a) Lui disse / sapeva: "La macchina non è ancora stata riparata."
Er sagte / wußte: "Das Auto ist noch nicht repariert."
b) Lui disse / sapeva che la macchina non era ancora stata riparata.
Er sagte / wußte, dass das Auto noch nicht repariert worden ist.

Wir sehen, dass der Aussagesatz a), im Präsens steht ("...è stata riparata"), der Nebensatz jedoch, b), im Imperfekt ("..era stata riparata"). Man kann jetzt pragmatisch ein paar Regeln auswendig lernen, man kann sich das aber auch mal logisch überlegen. Haben wir einen normalen Aussagesatz wie

Er isst einen Kuchen
Er fährt Fahrrad
Er las das Buch
Er hat ihm einen Brief geschrieben

dann ist der Anker der Handlung die Gegenwart des Sprechers, die chronologische Zuordnung der Handlung erfolgt aufgrund der Gegenwart des Sprechers. Betrachten wir diesen Dialog.

A: Hast du noch Geld?
B: Ja, ich war gerade auf der Bank.

Die zwei, dich sich hier unterhalten, befinden sich ganz offensichtlich im selben Zeitraum. Die Frage, die A stellt, bezieht sich auf die Gegenwart und die Antwort die B gibt, beschreibt ein Ereignis, dass eben von dieser Gegenwart aus vergangen ist. An dieser Logik würde sich auch nichts ändern, wenn wir einen Roman lesen, der völlig in der Vergangenheit spielt. Auch dann würden sich die Handlungen auf die Gegenwart der Sprecher beziehen, die Gegenwart der Sprecher wäre der Referenzpunkt, von dem aus vorzeitige, gleichzeitige oder nachzeitige Ereignisse geschildert werden. Womit wir dann beim Thema wären. Ist das einführende Verb der mentalen Durchdringung in einer Gegenwartszeit, dann werden die Ereignisse in der Gegenwart des Sprechers mental durchdrungen, es ändert sich also gar nichts.

Aussagesatz
Ich habe kein Geld mehr.
Non ho più soldi.
Der Satz wird mit einem Verb der mentalen Durchdringung in der Gegenwart eingeleitet
Er weiß, dass sie kein Geld mehr hat.
Lui sa che lei non ha più soldi.

Derjenige, der erzählt, was ein anderer weiß, befindet sich in derselben Gegenwart, wie derjenige, der etwas weiß. Der Anker auf der Zeitachse bleibt unverrückt und folglich haben wir auch keine Änderung der Zeiten, es gelten ausschließlich die im Kapitel Zeiten genannten Regeln. Die Sache ändert sich dramatisch, wenn das einleitende Verb der mentalen Durchdringung in einer Vergangenheitszeit steht, denn dann ist der Anker die Gegenwart dessen, der die Ereignisse mental durchdringt und in diesem Fall sind auch alle Zeiten anzupassen und manche, wie zum Beispiel das imperfetto (davon später), verlieren ihre ursprüngliche Funktion. Die im Kapitel über die Zeiten genannten Regeln gelten nur noch eingeschränkt.

Aussagesatz
Ich habe kein Geld mehr.
Non ho più soldi.
Der Satz wird mit einem Verb der mentalen Durchdringung in der Vergangenheit eingeleitet
Er wusste, dass sie kein Geld mehr hatte.
Lui sapeva che lei non aveva più soldi.

Was passiert? Jemand berichtet in der Gegenwart (welche nicht notwendigerweise DIE Gegenwart ist, handelt es sich um einen Text, dann kann es sich auch um eine historische Gegenwart handelt), dass ein anderer etwas erzählt, gedacht, gewollt, gefürchtet etc. hat. In Bezug auf das, was der andere erzählt, gedacht, gewollt, gefürchtet hat, ist jetzt aber der Anker nicht mehr der Zeitraum, in dem sich derjenige befindet der das erzählt was ein anderer erzählt, gedacht, etc. hat, sondern sondern eben der Zeitraum, in dem der andere die Ereignisse in welcher Form auch immer imaginiert. Nu sind se platt, wa? Ein derartig simpler Zusammenhang führt zu einer solch umständlichen Erklärung. Im Grunde ist das aber doch total einfach. Jemand erzählt am Freitag, dass jemand am Mittwoch etwas befürchtet hat, was sich am Montag ereignet hat. Also, folgende Aussage wird von Mario am Freitag gemacht.

Mario glaubte (am Mittwoch), dass Juan sich (am Montag) den Fuss gebrochen hat.

Der Anker für das Ereignis Fuss brechen ist der Mittwoch, nicht der Freitag. Der Referenzeitpunkt für das Ereignis Fuß brechen ist nicht der Freitag, also der Tag, an dem jemand erzählt, was der andere am Mittwoch gedacht hat, sondern der Mittwoch, der Moment der geistigen Durchdringung. Es ist nicht entscheidend, dass jemand sich den Fuß gebrochen hat, bevor jemand erzählt, dass ein anderer glaubt, dass sich jemand den Fuß gebrochen hat. Entscheidend ist, dass sich jemand den Fuß gebrochen hat, bevor ein anderer das glaubt. Der Moment der geistigen Durchdringung ist der Anker, nicht der Erzählzeitpunkt.

Steht aber das einleitende Verb der geistigen Durchdringung in einer Gegenwartszeit, dann fällt der Moment der Berichterstattung mit dem Zeitpunkt der geistigen Durchdringung zusammen, deshalb ist dann eine Neujustierung nicht nötig. Wenn jemand am Mittwoch erzählt, dass jemand am Mittwoch glaubt, dass sich jemand am Montag den Fuß gebrochen hat, ist der Anker eben der Mittwoch. Nicht weil der Anker der Zeitpunkt der Berichterstattung ist, der Anker ist nach wie vor der Moment der geistigen Durchdringung, sondern weil es in diesem Falle schlicht egal ist.

Freitag: Juan kommt.
Der Vorgang wird am Mittwoch geschildert.
a) Mario glaubt, dass Juan kommen wird.
Der Vorgang wird am Samstag geschildert.
b) Mario glaubte, dass Juan kommen würde.

Bei a) befindet sich der Berichtende im selben Zeitraum, in dem der Vorgang imaginiert wird, das eigentliche Ereignis muss dann, in diesem Fall ist es nachzeitig zur Imagination, im Futur geschildert werden. Bei b) ist eine Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit zu schildern, der Zeitpunkt der Imagination liegt in der Vergangenheit, der Zeitpunkt der Imagination ist der Anker und bezogen auf diesen Anker, liegt das Ereignis in der Zukunft.

Wir betonen nochmal, dass das Deutsche bei der Schilderung der chronologischen Abläufe nicht wirklich zur Höchstform aufläuft. Das hat die Konsequenz, dass im Deutschen alle möglichen Konstruktionen durchrutschen und oft die Chronologie der Ereignisse durch Adverbien verdeutlicht wird. Die romanischen Sprachen haben hier ein sehr striktes Schema, auch wenn im Italienischen dieses Schema teilweise, zumindest in der Umgangssprache, aufgeweicht ist.

So, jetzt haben wir aber mal richtig ausgeholt. Allerdings ist der Autor tatsächlich der Meinung, dass es einfacher ist, die Logik zu verstehen, also irgendwelche abstrakten Regelorgien. Wenn Sie Spaß an abstrakten Regelorgien haben, die kommen jetzt. Aber ökonomischer ist es, man macht sich das einfach mal klar.