Mit den Adverbien, bzw. den Schwierigkeiten, die es macht, diese Wortart genau zu bestimmen, haben wir uns schon befasst, wir haben also das Pferd von hinten aufgezäumt, zuerst die Probleme. Sieht man von den Problemen ab, dann lassen sich Adverbien ziemlich einfach definieren. Adverbien sind Wörter, die andere Adverbien, Adjektive oder Verben näher bestimmen.

Adverb bestimmt Adverb
Das hat er sehr gut gemacht.
Adverb bestimmt Adjektiv
Er hat eine ziemlich große Klappe.
Adverb bestimmt Verb
Er spricht viel.

Wenn wir hier also von Adverbien sprechen, meinen wir Wörter, die die Funktion eines Adverbs haben können, die aber auch als Adjektiv benutzt werden. Besser als Adverb ist der Begriff adverbiale Bestimmung. Bei der adverbialen Bestimmung haben wir eine Wortgruppe, die zeitlichen ("Heute abend gehe ich in die Disco"), modalen ("Unter Aufbietung aller Kräfte konnte er sich befreien"), kausalen ("Bedingt durch diesen Umstand haben wir aufgegeben"), finalen ("Zwecks Eruierung der näheren Umstände sind wir hingefahren") oder konzessiven Umstände eines Ereignisses ("Trotz seiner Behinderung, ist er glücklich") näher beschreiben. Die Begriffe kausal, konzessiv, final etc. erinnern uns jetzt an die Konjunktionen. Sie sollten aber sehen, dass die adverbialen Bestimmungen keine Zusammenhang zwischen zwei Teilsätzen herstellen, in den oben genannten Beispielen ist das offensichtlich, es gibt gar keine Teilsätze, es gibt nur einen einzigen Satz, folglich kann man auch nichts verbinden. Im übrigen könnte man den Begriff Adverb auch abschaffen und durch den Ausdruck adverbiale Bestimmung ersetzen. Das Adverb ist nur ein Sonderfall der adverbialen Bestimmung. Von Adverb spricht man, wenn ein einziges Wort die Funktion hat, ein anderes Adverb, ein Adjektiv oder ein Verb näher zu bestimmen, sind es jedoch mehrere Wörter, dann ist es eine adverbiale Bestimmung. Der Ausdruck adverbiale Bestimmung sitzt nicht zwischen mehreren Stühlen, er stellt allein auf die Funktion ab. Um was für Typen von Wörtern, Substantive, Präpositionen, Adjektive etc. es sich hierbei handelt, ist egal. Das Problem, das der Ausdruck Adverb hat, hat die adverbiale Bestimmung gar nicht. Eine gewissen Berechtigung für das Wort Adverb kann aus der Tatsache abgeleitet werden, dass es auch Wörter gibt (heute, jetzt, sehr, immer, nie etc.), die tatsächlich immer und ausschließlich Adverbien sind. Über die anderen ganz skurrilen Wörter, die irgendwie zwischen Präposition, Konjunktion und Adverb hängen, haben wir bereits im Kapitel über Präpositionen gesprochen.

Das oben genannte Problem, die Tatsache eben, dass der Begriff Adverb etwas ungenau ist, ist übrigens im Italienischen nicht so in die Augen fallend, weil in den meisten Fällen sich das Adverb vom zugehörigen Adjektiv in der Form unterscheidet, wir haben also folglich meistens eine Situation, bei der man sagen könnte, dass es sich sowohl im Hinblick auf die Funktion wie auch im Hinblick auf die Wortart um ein Adverb handelt. Um es ganz genau zu sagen, das Italienische hat, wie die anderen romanischen Sprachen auch, ein produktives System, dass es erlaubt, von jedem x-beliebigen Adjektiv ein Adverb zu bilden. Das Deutsche hat zwar spezifische Endungen für Adverbien, allerdings handelt es sich hierbei nicht um produktive Systeme, wie folgende Beispiele zeigen. Deutsche Adverbien sind lexikalisiert, sind fester Bestandteil des Wortschatzes und die, die es nicht gibt, die gibt es eben nicht, auch wenn das eine so logisch wäre, wie das andere und auch dann, wenn die Wörter, von denen das Adverb abgeleitet wird, Synonyme sind.

Beispiele: Ableitung von einem Substantiv
Löffel => löffelweise => Er hat löffelweise Marmelade gegessen.
Gabel =>| gabelweise =>| ? nicht: Er hat gabelweise Reis gegessen.
Sau => saumäßig => Er hat sich saumäßig benommen.
Schwein =>| schweinemäßig => ? nicht: Er hat sich schweinemäßig benommen.
Kreis => kreisförmig => Die Steine waren kreisförmig angeordnet.
Quadrat => quadratförmig => ? nicht: Die Steine waren quadratförmig angeordnet.
Beispiele: Ableitung von einem Adjektiv
rot => rötlich Es schimmerte rötlich.
schwarz =>| schwärzlich => ? nicht: Es schimmerte schwärzlich.
Beispiel: Ableitung von einem Verb
lesen => leserlich => Das war schlecht leserlich.
schreiben =>| schreiberlich => ? nicht: Das war schlecht schreiberlich.
machen => machbar => Das wäre machbar.
tun =>| tubar => ? nicht: Das wäre tubar.

Zwar ist auch im Italienischen nicht jedes System gleichzeitig ein produktives System, also beliebig erweiterbar, aber zumindest die Bildung eines Adverbs aufgrund eines Adjektivs folgt einem einheitlichen Schema, womit sich dann die oben genannte Problematik nicht so suggestiv aufdrängt wie im Deutschen.