Die bis jetzt diskutierten Konjunktionen stellten auf objektive Beziehungen ab, bei Eintritt des einen Ereignisses trat zwingend das andere ein. Nicht der Wille oder Wunsch eines Menschen war für die Kausalkette maßgeblich, sondern die objektiven Bedingungen. Folglich ziehen diese Konjunktionen auch den Indikativ nach sich. Bei den Konjunktionen, die Ziel oder Absicht ausdrücken, geht es nicht mehr um objektive Tatsachen, sondern um den Willen oder den Wunsch eines Menschen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Konjunktionen, die ein Ziel oder eine Absicht ausdrücken, bringen also eine subjektive Sicht auf die Welt zum Ausdruck und erzwingen folglich den congiuntivo. Der congiuntivo wurde bereits im Kapitel die Verwendung des congiuntivo ausführlich behandelt.

Im Grunde kennt das Deutsche nur eine Konjunktion (nämlich damit), um die Finalität einer Handlung auszudrücken. Die im Zusammenhang mit Finalität oft genannte Konjunktion "so dass" kann nicht ohne weiteres dieser Funktion zugeordnet werden.

Die Konjunktion "so dass" beschreibt meistens eine einfache kausale Beziehung, bzw. die Konsequenz eines Ereignisses, sie hat dann die gleiche Bedeutung wie deshalb, deswegen, darum.

Er hatte ihr nicht gesagt, dass er später kommen würde, so dass sie auf ihn warten musste.
Er hatte ihr nicht gesagt, dass er später kommen würde, deshalb / deswegen / darum musste sie auf ihn warten.

Finalität drückt sie in Sätzen dieser Art aus, sie kann dann durch damit ersetzt werden.

Er zeigte ihr, wie man es macht, so dass sie es später alleine machen konnte.
Er zeigte ihr, wie man es macht, damit sie es später alleine machen konnte.

Nimmt man es jedoch ganz genau, dann drückt die Konjunktion auch in Sätzen dieses Typs gar keine Absicht aus. Eigentlich wird lediglich das Mittel beschrieben, dass zur Realisierung eines Zieles geeignet war. Wir sehen nämlich, dass in anderen Sätzen eine Substitution mit der Konjunktion damit, die ja eindeutig Finalität ausdrückt, nicht möglich ist.

Er hat den Schlüssel verloren, so dass niemand mehr den Raum betreten konnte.
nicht: Er hat den Schlüssel verloren, damit niemand mehr den Raum betreten konnte.

Wir sehen in diesem letzten Beispiel, dass die Konjunktion "so dass" nur dann durch die Konjunktion "damit" vertreten werden kann, wenn das im Hauptsatz beschriebene Ereignis zur Realisierung eines erwünschten Zieles geeignet ist. In diesem Fall verwischt der Unterschied. Der Hauptsatz beschreibt nun entweder die Umstände, die das im Nebensatz beschriebene Ereignis ermöglichten, also den instrumentellen Charakter, oder eben, dass die Ereignisse des Hauptsatzes nur durchgeführt wurden, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das läuft aber auf das gleiche hinaus. Führt das im Hauptsatz beschriebene Ereignis jedoch zu einem ungewünschten Ziel, dann wird man kaum mit der Konjunktion "damit" substituieren können. Wir werden also im Folgenden als Übersetzung die Konjunktion "so dass" nicht hinschreiben. Man sollte erkennen, dass die Konjunktion "so dass", je nachdem, was gemeint ist, unterschiedlich übersetzt wird.

Ziel
Er zeigte ihr, wie man es macht, so dass sie es später alleine machen konnte.
Le mostrava come farlo, affinché lei dopo potesse farlo da sola.
Ursache
Er hatte den Schlüssel verloren, so dass niemand mehr den Raum betreten konnte.
Aveva perso la chiave e perciò nessuno poteva entrare nella stanza.

Es macht also einen Unterschied, ob die Konjunktion darauf verweist, dass das im Hauptsatz Beschriebene in einer instrumentellen Beziehung zu den Ereignissen des Hauptsatzes steht, ersteres letztere kausal bedingt, oder ob die im Hauptsatz beschriebenen Ereignisse mit dem Zweck durchgeführt wurden, die im Nebensatz genannten Ereignisse herbeizuführen. Der Unterschied ist insofern relevant (abgesehen davon, dass eine ganz andere Konjunktion zu wählen ist), weil im ersten Fall der Indikativ zu wählen ist (es handelt sich ja nicht um eine subjektive Einschätzung sondern um eine objektive Tatsache), im zweiten Fall jedoch der congiuntivo. Beim zweiten Fall geht es ja nicht um den logisch / kausalen Zusammenhang, sondern um den Willen, mittels bestimmter Handlungen, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Im ersten Fall besteht eine objektive Abhängigkeit, die im Hauptsatz beschriebenen Ereignisse erzwingen zwangsläufig und objektiv die Ereignisse, die im Nebensatz beschrieben werden. Im zweiten Fall besteht lediglich der Wille, ein bestimmtes Ereignis herbeizuführen, der Wille oder die Absicht heißt aber nicht, dass das gewünschte Ergebnis auch tatsächlich eintritt. Dieselbe Konjunktion kann also in Abhängigkeit vom Kontext den einen oder anderen Modus erzwingen.