di zur Bezeichnung einer Teilmenge
Da man sich alle diese Konstruktionen ohnehin merken kann, wenn man sie einmal gehört hat, sind die Erläuterungen nicht wirklich wichtig. Man kann sich aber mal klar machen, dass das deutsche Indefinita "etwas" ganz unterschiedlich ins Italienische übersetzt werden muss.
Gib mir etwas Zucker.
=> Dammi un poco di zucchero.
Ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen.
=> Devo dirti qualcosa di importante.
Hast du noch etwas Kaffee.
=> Ti resta ancora un poco di caffè.
Denk an etwas Schönes.
=> Pensa a qualcosa di bello.
Wie Sie sehen, wird das deutsche etwas manchmal mit "un poco di" und manchmal mit "qualcosa di" übersetzt. Das Problem dabei ist, dass Sie zwar keinen Grund angeben können, warum jeweils unterschiedlich übersetzt wird, aber Sie würden es automatisch, der Autor konnte solche Phänomene schon x-mal beobachten, richtig machen, Sie würden nie "Dammi qualcosa di zucchero" bzw. "Pensa a un poco di bello" sagen, woraus sich dann sofort ergibt, dass es für den Spracherwerb völlig irrelevant ist, ob Sie den Unterschied analytisch erkennen oder nicht. Es gibt also pragmatisch gesehen, keine Notwendigkeit, den Grund dieser unterschiedlichen Übersetzungen zu analysieren. Wenn Sie also ganz pragmatisch drauf sind, überspringen Sie diesen Abschnitt. Wollen Sie mal ein Gespür dafür bekommen, was für ein merkwürdiger, aber ungemein leistungsfähiger, Apparat ihr Gehirn ist, dann lesen Sie weiter.
Nebenbei sei noch bemerkt, dass die Fähigkeit zu staunen und erstaunt werden zu können, zum Menschsein gehören. Wir haben Goethe bereits zitiert.
Doch im Erstarren such ich nicht mein Heil
Das Schaudern, ist der Menschheit bester Teil
Wie auch die Welt ihm das Gefühl verteure
Ergriffen, fühlt er tief das Ungeheure.
Der Autor würde es ja prosaischer formulieren. Wer sich nie wundert, ist ein Trottel.
Vorweg kann man sagen, dass die italienischen Konstruktionen logischer sind, also die deutschen. Betrachten wir diese zwei Sätze.
a) Gib mir etwas Zucker.
b) Denk an etwas Schönes.
Das "etwas" in a) und das "etwas" in b) haben eine völlig unterschiedliche Funktion. Das "etwas" in a) ist ein reines Adjektiv, es vertritt gar nichts, das "etwas" in b) jedoch ist ein Pronomen (genau genommen ein substantivisches Indefinita). Wir sehen das deutlicher, wenn wir die Sätze umformen. Im Satz a) können wir das "etwas" durch jedes x-beliebige Adjektiv ersetzen, in Satz b) können wir das "etwas" nicht durch ein Adjektiv ersetzen.
möglich: Gib mir süßen / braunen / billigen Zucker.
nicht möglich: Denk an vergangenes / zukünftiges / erfreuliches Schönes.
Bei a) kann man, weil es lediglich ein Attribut ist, das "etwas" auch weglassen, bei b) jedoch ist "etwas" das Objekt, man kann es nicht weglassen. Weglassen kann man aber das "Schönes", den dieses ist im Grunde, auch wenn es irrtümlicherweise groß geschrieben wird, das Adjektiv.
möglich: Gib mir Zucker.
möglich: Denk an etwas.
nicht möglich: Denk an Schönes.
Das eigentliche Objekt ist also "etwas", nicht "Schönes". Und genau diesen Sachverhalt haben die Italiener messerscharf erkannt und intuitiv erfasst das auch das Teutonenhirn. "Etwas" als Adjektiv wird mit un poco di übersetzt, das Pronomen "etwas" jedoch mit dem Pronomen qualcosa / qualche cosa.
etwas ist Adjektiv => Übersetzung mit un poco di
Gib mir etwas Zucker.
Dammi un po' di zucchero.
etwas ist Substantiv => Übersetzung mit qualcosa / qualche cosa
Denk an etwas Schönes.
Pensa a qualche cosa di bello.
Genau genommen sehen die Italiener das so. Es gibt eine Menge Schönheit (oder eine Gruppe einzelner schöner Elemente) und davon ist eine Teilemenge (oder ein Element) angesprochen. Wörtlich hätte man.
Pensa a qualche cosa di bello.
Denk an eine Sache vom Schönen.
Angemerkt sei noch, dass in dem Satz "Denk an etwas Schönes", etwas auch dann Objekt ist, wenn wir "Schönes", als ein Genitivattribut interpretieren.
Denk an etwas Schönes.
Denk an etwas des Schönen.
Auch dann ist "des Schönen" ein Attribut von "etwas" und ein Genitiv Attribut bezieht sich nun mal auf ein Objekt. Diese Sichtweise wäre näher an der italienischen Konstruktion.
Pensa a qualcosa di bello.
Denk an etwas des (von dem) Schönen.
Nebenbei sei noch bemerkt, dass zu dieser Konstruktion Alternativen denkbar sind. Zwar kann auch im Spanischen ein Personalpronomen kein Attribut haben (Lo dio a la chica hermosa / Er gab es dem schönen Mädchen geht, aber Lo dio a ella hermosa / "Er gab es schönen ihr" geht nicht), aber diese Regel wird bei algo (qualcosa / etwas) durchbrochen.
Pensa a qualcosa di bello.
Denk an etwas Schönes.
Das Spanische sieht also das algo / etwas schlicht als Objekt und dieses hat eben ein Attribut.
di beim Komparativ
Über den Komparativ wird an späterer Stelle noch zu reden sein. Der Komparativ vergleicht zwei Sachverhalte hinsichtlich qualitativer / quantitativer Unterlegenheit, Überlegenheit oder Gleichheit. Verglichen werden können Adjektive, Adverbien und Substantive. Das ist an sich alles ganz harmlos, wenn Sie aber des Spanischen oder Französischen mächtig sind, haben Sie gute Chancen, in eine Falle zu tappen.
Adjektive
Lui è più svelto di lei.
Er ist schlanker als sie.
Adverb
Lui corre più veloce di lei.
Er rennt schneller als er.
Substantiv
Lui ha più soldi di lei.
Er hat mehr Geld als sie.
Dem aufmerksamen Leser ist jetzt bereits eine Besonderheit des Italienischen aufgefallen, der Vergleichspartikel ist "di" nicht, wie im Französischen oder Spanischen, que.
Italienisch: Maria è più laboriosa di lui.
Französisch: Maria est plus travailleuse que lui.
Spanisch: Maria es más diligente que él.
Wenn man sich das also nicht einprägt und Spanisch oder Französisch spricht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das schief geht, 100 Prozent. Der Vergleichspartikel ist im Italienischen also di.
Erwähnt werden soll noch, dass in folgenden Fällen auch im Italienischen der Vergleichspartikel che ist.
wenn eine Präposition folgt
È meglio stare a casa che in ospedale.
Es ist besser zu Hause zu sein, als im Krankenhaus.
wenn ein Adverb folgt
È più piacevole mangiare guardando il mare piuttosto che nel centro della città.
Es ist angenehmer bei Meeresblick zu speisen als im Zentrum der Stadt.