Der Ausdruck infinite Verbformen klingt erstmal nach Müll, nach verquaster Theorie. Allerdings handelt es sich um Konstruktionen, die einiges beitragen zur Erhaltung der Regenwälder des Amazonas, sie verkürzen nämlich Sätze, und zwar drastisch. Sollten Sie sich jemals darüber Gedanken gemacht haben, warum ein italienischer Roman weniger Seiten hat, als seine deutsche Übersetzung, dann finden Sie hier die Auflösung des Rätsels. Kurz und bündig können Sie sich klar machen um was es geht, wenn Sie diese zwei Sätze vergleichen.

a) Sein Geld verloren habend, konnte er die Rechnung nicht bezahlen.

b) Da er sein Geld verloren hatte, konnte er die Rechnung nicht bezahlen.

a) bringt es, zusammen mit den Leerzeichen, auf 65 Zeichen, b) auf 70. Das ist erstmal nicht viel, aber bei einem dickeren Roman macht das dann schon was aus. Aber fangen wir mal von vorne an. Was sind infinite Verbformen? Infinite Verbformen sind, Sie erfahren hier wirklich Überraschendes, das Gegenteil von finiten Verbformen. Finite Verbformen sind Verbformen, die hinsichtlich Person und Numerus festgelegt sind und infinite Verbformen sind Verbformen, die eben hinsichtlich Person und Numerus unbestimmt sind. In den romanischen Sprachen sind es mächtige Gebilde, mit denen man sehr viel anstellen kann. Mache wir uns anhand des Infinitivs klar, was eine infinite Verbform ist, denn der Infinitiv, puh, wer hätte das gedacht, ist infinitiv, nicht festgelegt, unbestimmt.

unbestimmt: sagen

bestimmt: sagt

Wie wir deutlich sehen, haben wir sowohl bei sagen, wie auch bei sagt dasselbe Verb vor uns. Auch die Tätigkeit, die dieses Verb beschreibt, ist uns hinlänglich in allen ihren zahlreichen Facetten und Ausprägungen bekannt. Trotzdem gibt es einen Unterschied. Bei "sagt" wissen wir, dass ein einzelner Mensch diese Tätigkeit ausführt und wann er sie ausführt, nämlich in der Gegenwart, und bei sagen haben wir die schlichte Beschreibung dieser Tätigkeit, ohne zu wissen, wer sie ausführt noch wann.