Steht ein Satz im Passiv, dann ist das Subjekt des Satzes nicht mehr Ausführender der durch das Verb beschriebenen Handlung, sondern das Ziel der durch das Verb beschriebenen Handlung.

Das Brot wird gebacken.

Hier ist das Brot zwar Subjekt des Satzes, regiert das Verb, ist aber nicht Ausführender der Handlung. Regiert das Verb heißt folgendes: Betrachten Sie diese Sätze.

Das Brot wird gebacken.
Die Brote werden gebacken.

Sie sehen, dass das Verb vom Subjekt, Brot / Brote, abhängt. Steht Brot im Singular, steht auch das Verb im Singular, steht Brot im Plural, steht auch das Verb im Plural.

Die Tatsache allein, dass beim Passiv das Subjekt Ziel der durch das Verb beschriebenen Handlung ist, nicht aber der Ausführende, vermag die Notwendigkeit dieser grammatikalischen Konstruktion aber nicht zu begründen, denn man könnte sich dann fragen, warum der Satz nicht einfach aktivisch formuliert wird.

Das Brot wird gebacken. <=> Er backt das Brot.

Wozu braucht man also das Passiv? Das Passiv braucht man, wenn der Ausführende der durch das Verb beschriebenen Handlung nicht bekannt, nicht wichtig oder aus anderen Gründen nicht genannt werden soll.

a) Mir wurde der Geldbeutel gestohlen.
b) In Europa wird mehr Wein angebaut, als konsumiert wird.
c) Die Äpfel werden geschält und dann eine halbe Stunde im Backofen gebraten.

Bei a) ist der Urheber der durch das Verb beschriebenen Handlung definitiv unbekannt, das ist offensichtlich, denn wäre er bekannt, dann hätte er ein Problem weniger. Bei b) ist der Urheber zwar bekannt, es sind eben die Winzer Europas, aber das ist in diesem Zusammenhang nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir in Europa einen Weinsee haben. Bei c) haben wir einen Zwitter. So richtig konkret bekannt ist der Urheber der Handlung zwar nicht, aber richtig unbekannt ist er eben auch nicht, es sind alle Leute, die vorhaben, Bratäpfel zuzubereiten und sich gerade das entstprechende Rezept aus dem Kochbuch durchlesen.

Dieselbe Funktion wie das Passiv erfüllt das Indefinitivpronomen man. Man ist unbestimmt und ein Pronomen ist es, weil es irgendwas, wenn auch etwas Unbestimmtes, vertritt.

a) Man hat mir den Geldbeutel gestohlen.
b) Man baut in Europa mehr Wein an, als man konsumiert.
c) Man schält die Äpfel und brät sie dann eine halbe Stunde im Backofen.

Im Deutschen könnte also rein theoretisch in jeder Situation sowohl mit dem Passiv wie auch mit dem Indefinitivpronomen "man" konstruiert werden, tatsächlich besteht aber in abhängig von der jeweiligen Situation eine Präferenz für die eine oder die andere Konstruktion, in Kochrezepten zum Beispiel finden wir ganz überwiegend passivische Konstruktionen.