Wir kommen nun zum zweiten Highlight der Grammatik der romanischen Sprachen, dem congiuntivo, der zwar auf Spanisch (subjuntivo) und auf Französisch (subjonctif) anders heißt, aber inhaltlich das Gleiche ist. Congiuntivo sieht so ähnlich aus wie Deutsch Konjunktiv, aber mit diesem hat er nur sehr bedingt etwas zu tun.

Wir wenden nun wieder das bereits erprobte Verfahren an, wir konstruieren kritische Situationen, in denen der deutsche Konjunktiv dem italienischen Konjunktiv ähnelt, hat man solche Sätze und verwendet dann den Indikativ (im Deutschen) so können wir in etwa "nachfühlen", wie eine regelwidrige Verwendung des congiuntivo für italienische Ohren klingt. Insgesamt weicht aber der italienische congiuntivo vom deutschen Konjunktiv stark ab, es macht also Sinn, sich klar zu machen, wie der deutsche Konjunktiv verwendet wird.

Die Kurzformel für den congiuntivo (im Italienischen) sieht so aus: Der congiuntivo wird verwendet nach Verben, Konjunktionen, idiomatischen Ausdrücken, die das Geschilderte als subjektive Wahrnehmung der Welt (deswegen heißt das Teil auf Französisch subjonctif, auf Spanisch subjuntivo) kennzeichnen, weil etwas lediglich erhofft, befürchtet, gewollt, befohlen ist, weil das Eintreten aus anderen Gründen ungewiss ist oder der Zeitpunkt, an dem das vorgestellte Ereignis eintreten soll, ungewiss ist. Mit dieser Kurzformel kann nun aber niemand etwas anfangen und deswegen rollen wir das ganze Thema von ganz unten auf, zeigen, dass in Teilbereichen sich der deutsche Konjunktiv sich mit dem congiuntivo des Italienischen deckt, bzw. das Deutsche versucht, ein ähnliches System aufzubauen, ohne dass es aber jemals zu so einem stringenten System wie in den romanischen Sprachen ausgebaut wurde. Es gilt was immer gilt. Wem das zu langatmig ist, der kann über diesen Teil hinwegspringen und, wie allgemein in Grammatiken üblich, gleich zum pragmatischen Teil übergehen, der das System des italienischen Congiuntivo anhand eines Regelwerkes erläutert.